63. Heidnische Erbsen (Heidenische erweiz)

Original Rezept

Wilt du machen behemmische erweiz, so nim mandelkern vnd stoz die gar cleine vnd mengez mit dritteil als vil honiges. vnd mit guoten wuertzen wol gemenget, so erz allerbeste hat. die koste git man kalt oder warm.

Übersetzung

Wilst du böhmische (altes Synonym für heidnisch) Erbsen machen, so nimm Mandelkerne und zerstoße sie sehr fein. Vermenge sie mit einem Drittel der Menge Honig. Gib eine gute Menge an guten Gewürzen dazu. So ist es am aller Besten. Diese Kost isst man kalt oder warm.

Nachkochen und Erfahrungsbericht

Ein kurzes und einfaches Rezept. Interessant ist es dennoch, da es sich hier um ein frühes Rezept für Marzipan handeln könnte. Der Ursprung des Marzipans liegt höchstwahrscheinlich in Persien. In Europa wurde es das erste Mal im 13. Jahrhundert in Venedig als Marzapane erwähnt. Und bereits im 14. Jahrhundert wurde es unter den Adligen populär. Damit wären wir also in der Zeit des Buchs von Guter Speise. Allerdings ist der Name ein anderer. Das „heidnisch“ könnte aber gut passen da es auf den Ursprung außerhalb des christlichen Europas anspielt. Vielleicht hat sich „Marzipan“ als Begriff noch nicht etabliert aber dieses ausländische Gericht fand bereits gefallen in der Oberklasse, die es nun selbst in ihren Küchen herstellen ließ.

Warum es „Erbsen“ sind, ist mir allerdings nicht klar. Bei Nachkochen ist mir dann aber aufgefallen, dass es sich gut Formen lässt. Vielleicht wurde es in Bällchen geformt und wurde deshalb „Erbsen“ genannt? Gut möglich würde ich sagen. Wenn man diese Bällchen wiederum in gestoßenen Mandeln wälzen würde, bekäme man auch keine klebrigen Finger beim Essen.

Bei der Mengenangabe „ein Drittel Honig“ dachte ich zunächst, damit wäre das Gewicht gemeint. Das wäre aber zu wenig Honig, daher habe ich mich dann für das Volumen entschieden und das hat sehr gut gepasst.

Die Grundzutaten: Honig und gemörserte Mandeln.

Zwei weitere Details sind aber interessant: Zum einen werden Gewürze dazugegeben, die aber leider nicht genauer genannt werden. Hier kann man dann aber kreativ werden. Und zum anderen, wird diese Speise kalt oder warm gegessen. warmer Marzipan ist wohl etwas ungewöhnlich heute und die Masse wurde auch recht klebrig. Aber schmecken tut sie natürlich trotzdem.

Also ein kleines aber geschichtlich sehr interessantes Rezept das wohl auch heute noch sehr willkommen auf jeder Tafel sein wird. Bei den Gewürzen kann man experimentieren (ich war beim ersten Mal recht vorsichtig und habe nur Zimt und Pfeffer genommen). Schöner wird es bestimmt noch, wenn man die Mandeln vorher blanchiert und häutet.

Heidnische Erbsen

Vorbereitungszeit 15 Minuten
Portionen: 1
Gericht: Dessert, Snack
Küche: German, Medieval

Zutaten
  

  • 90 g Mandeln
  • 50 g Honig
  • ½ Teelöffel Zimt gemahlen
  • ½ Teelöffel Pfeffer gemahlen
  • 1 Prise Salz

Method
 

  1. Die Mandeln im Mörser oder Mixer in fein zerkleinern.
  2. Alle anderen Zutaten dazugeben und gründlich vermischen. Mein Honig war sehr fest, daher habe ich ihn etwas aufgewärmt.
  3. Die Masse zu Bällchen formen, evtl. in Mandelmehl wälzen.

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