30. Süß-saures Hähnchen (Ein gut spise)

Original Rezept

Nim huenre, die brat niht volle gar, ent lide sie zvo morseln vnd laz sie sieden nuer in smaltze vnd wazzere, vnd nim eine rinden brotes vnd ingeber vnd ein wenic pfeffers vnd anis, daß mal mit ezzige vnd mit dem selben soedichin, vnd nim vier gebraten kueten vnd daz condiment tuo zvo den huenren, laz ez wol da mit sieden, daz ez werde eben dicke. hastu niht kueten, so nim gebraten bieren vnd mach ez da mite vnd gibz hin vnd versaltz ez niht.

Übersetzung

Nimm Hühner und brate sie nicht ganz gar. Zerteile sie zu kleinen Stücken (Bissen) und lass sie in Schmalz und Wasser sieden. Nimm die Rinde eines Brotes, Ingwer, ein wenig Pfeffer und Anis. Zermahle dies mit Essig, mit derselben Stärke. Nimm vier gebratene Quitten und gib das Kondiment der Hühner dazu. Lass es damit gründlich sieden, bis es dick wird. Hast du keine Quitten, so nimm gebratene Birnen und mache es damit. Serviere und versalze es nicht.

Nachkochen und Erfahrungsbericht

Dieses Gericht war wohl das am wenigsten fotogene bisher. Ich habe versucht es etwas unter Petersilie zu verstecken, aber es ist doch ein brauner Brei. Geschmacklich ist aber durchaus interessant und sehr mittelalterlich, da es eine kräftige Säure, nur wenig Süße und (für heutigem Maßstab) ungewöhnliche Gewürze kombiniert.

Das Rezept selbst ist relativ ausführlich und einfach zu folgen. Die Zutatenmengen mussten aber wie immer ausprobiert werden. Das „nicht ganz gar braten“ habe ich als scharf anbraten interpretiert, was gut funktioniert hat. Die weitere Zubereitung ist dann aber doch etwas ungewöhnlich da das Fleisch erst kleingeschnitten und in „Wasser und Schmalz“ gekocht wird, und dann mit den anderen Zutaten ein weiteres Mal gekocht wird.

Das Andicken wird mit Brotrinde, die vorher zusammen mit den anderen Zutaten gemörsert wird, erreicht. Diese ist auch der Hauptgrund für die Farbe des fertigen Gerichts. Dementsprechend könnte man hier variieren, um eine hellere oder dunklere Farbe zu erreichen.

Die Süße kommt in diesem Rezept ausschließlich von den benutzten Früchten. Da ich leider keine Quitten hatte musste ich, wie im Rezept beschrieben, Birnen nehmen. Diese erhalten etwas mehr Süße durch das vorherige Braten und das ist auch nötig, um den Essig etwas zu bändigen. Im Rezept stand „Essig mit derselben Stärke“, das habe ich als ungefähr gleiche Menge wie Brot interpretiert. Ich fand das ganz gut so und passend zu Ingwer und Anis, aber ist vielleicht etwas viel für andere. Daher kann man auch weniger Essig nehmen, wenn man es nicht so sauer mag.

Also, nicht das beste Gericht (besonders optisch), was ich bisher nachgekocht habe aber empfehlen würde ich es dennoch, da es typisch mittelalterlich und ungewöhnlich ist. Es war den Griechischen Hühnern ähnlich, die aber mehr Süße hatten.

Süß-saures Hähnchen

Vorbereitungszeit 30 Minuten
Zubereitungszeit 30 Minuten
Portionen: 2
Gericht: Main Course, Side Dish
Küche: German, Medieval

Zutaten
  

  • 200 g Birnen oder Quitten geschält und grob gewürfelt
  • 1 Esslöffel Butter
  • 250 g Hühnerfleisch ohne Haut und Knochen
  • 40 g Schmalz oder Butter
  • 150 ml Wasser
  • 50 g Brotrinde
  • 50 ml Essig evtl. weniger
  • 1 Teelöffel Ingwer
  • ½ Teelöffel Pfeffer
  • 1 Teelöffel Anis gemahlen
  • ½ Teelöffel Salz

Method
 

  1. Die Birnen mit dem Esslöffel Butter in einer Pfanne goldbraun braten, ca. 15 Minuten.
  2. Das Hähnchenfleisch in einem Topf scharf anbraten. Herausnehmen und in grobe Würfel schneiden. Zurück in den Topf geben und Schmalz/Butter und Wasser dazugeben. Aufkochen und ca. 10 Minuten köcheln lassen.
  3. In der Zwischenzeit, die Brotrinde, Essig, Ingwer, Pfeffer und Anis in der Küchenmaschine (oder Mörser) fein zerkleinern.
  4. Die Masse und die Birnen zum Hähnchen geben und erneut aufkochen lassen. Regelmäßig umrühren und für ca. 15 Minuten köcheln lassen. Dabei mit Salz abschmecken.

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