Original Rezept
Der einen fladen woelle machen von wiseln, der nem sie vnd breche in die stile abe vnd siede sie in einem hafen, biz sie trucken werden, mit sines selbes brue. vnd schuete sie denne vz vnd laz sie der kueln vnd slahe sie durch ein tuoch. vnd smir ein taueln wol mit honige vnd schuete die kirsen dor vf vnd setze die taueln vf holtze an den luft, biz daz ez trucken si. hot der des luftz niht, so setze (in) in einen kuelen hof. vnd mache daz wuerfeleht vnd snidez vnd bestrauwez mit wuertzen. vnd iz als ein latwergen.
Übersetzung
Wer einen Fladen aus Wisseln machen möchte, der nehme diese, breche ihnen die Stiele ab und siede sie in einem Topf, bis sie trocken werden in ihrem eigenen Saft. Dann schütte man sie aus, lasse sie abkühlen und schlage sie durch ein Tuch. Beschmiere ein Brett gründlich mit Honig und schütte die Kirschen darauf. Setze das Brett auf ein Holz (-Gestell) an die Luft bis es trocken ist. Hat man die Möglichkeit nicht, so setze man es in einen kühlen Hof. Forme es in Würfel, schneid es und bestreue es mit Gewürzen. Iss es wie Latwerge.
Nachkochen und Erfahrungsbericht
Latwerge und der Name des Rezepts
Nach dem Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache (Friedrich Kluge) stammt das mittelhochdeutsche Wort Latwerge vom lateinischen ēlect(u)ārium, das seinerseits vom griechischen ἐκλεικτόν ekleiktón ‘(weiche) Arznei (Leckmittel)’, wörtlich „was aufgeleckt wird“, stammt. Latwerge war im Mittelalter besonders in der Medizin gebräuchlich und wurde meist aus Honig und eingedicktem Fruchtsaft hergestellt und mit Gewürzen versetzt. Es handelte sich also um lange haltbare Arzneimittel, die sich im Laufe der Zeit aber auch als Süßigkeit etablierten.
Der Name des Rezepts ist ebenfalls interessant, da es „Fladen“ genannt wird. Im Buch von guter Speise finden sich viele Rezepte, die „Fladen“ genannt werden, allerdings haben diese immer einen Brotteig als Basis. Dies zeigt, dass das Wort „Fladen“ für viele „flache“ oder breite Gerichte verwendet wurde. Allerdings scheint dieses Rezept eine Ausnahme zu sein, da die Bezeichnung „Fladen“ hier offenbar für ein Gericht ohne Brotteig verwendet wird.
Das Rezept
Von den Zutaten her ist es ein sehr einfaches Rezept, da nur Kirschen und Honig genannt werden (und unspezifizierte Gewürze, die allerdings erst nach dem Trocknen dazukommen). Die Herstellung hat sich aber als nicht ganz so einfach herausgestellt. Im Rezept wird ein Brett mit Honig beschmiert und der eingekochte Kirschsaft darauf geschüttet. Das Brett wird dann nach draußen zum Trocknen gestellt. „mache daz wuerfeleht vnd snidez“ bedeutet wahrscheinlich, dass die Masse vom Brett gekratzt und zu einem Würfel geformt wird, bevor sie geschnitten und mit Gewürzen bestreut wird.

Ich habe Backpapier verwendet, damit ich nichts von einem Brett kratzen muss. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob das eine gute Idee war, denn die Masse ist einfach nicht getrocknet. Ich hatte sie vier Wochen offen in der Küche stehen, zeitweise auch im Dörrautomaten, aber es hat sich nichts verändert. Die Masse blieb ein zähflüssiger Sirup. Daher weiß ich nicht, wie dieses Sirup jemals eine Würfelform annehmen soll. Der verwendete Honig war bereits ein Blütenhonig der festen Sorte, also sollte es daran eigentlich nicht liegen.

Auch nach über acht Wochen hatte sich nichts verändert. Daher habe ich die Latwerge schließlich in ein Glas gestrichen:

Sie ist nun ein dicker Sirup, aber Würfel kann man daraus bestimmt nicht schneiden. Leider weiß ich nicht, wie man mit diesen beiden Zutaten die im Rezept beschriebene Konsistenz erreichen kann.
Geschmacklich ist es, wie man erwarten kann: süß vom Honig und sauer-fruchtig vom Kirschsaft. Die „Gewürze“, die sich hier anbieten, sind bestimmt Ingwer- oder Zimtpulver. Aber vielleicht war auch Zucker gemeint. Leider bin ich bei diesem Rezept bisher unschlüssig, wie man es tatsächlich realisieren kann. Ich werde es aber bestimmt weiter versuchen!

Zutaten
Methode
- Die Kirschen in einen Topf geben und aufkochen. So lange reduzieren bis fast alle Flüssigkeit verkocht ist. Abkühlen lassen.
- Backpapier mit Honig bestreichen. 100 g sollten in etwa 16 x 16 cm Platz einnehmen.
- Die eingekochten Kirschen in ein Cheesecloth schütten und sehr gründlich ausdrücken. Den Saft auffangen. Dieser hat bei mir atwa 75 ml ergeben.
- Das Honig-Backpapier mit Klammern rechteckig hochstecken (siehe Bilder oben). Den Kirschsaft darauf schütten.
- Trocknen lassen. Das kan dauern… Wochen oder Jahre…
- Den gestockten Honig-Saft in Würfel schneiden und mit den Gewürzen bestreuen.


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