Original Rezept
Man sol nemen kriechen, also so sie zitig sind, vnd tuo die in einen erinen hafen vnd giuz dor vf win oder wazzer, dar si wol zvo kinen, vnd lazze si sieden vnd zvo stozze sie denne, daz die kern niht brechen, vnd slahe die durch ein sip vnd tuo eine snite schoenes brotes dar zvo vnd honic vnd laz ez zvo gen. vnd tuo daz dor zvo vnd win oder wazzer vnd giuze ez zvo dem muose mit trucken gestozzeme krute. also maht du auch wol machen kyrsen muos oder spilinge muos.
Übersetzung
Man nehme reife Kriechen-Pflaumen und gebe sie in einen Topf und gieße sie mit Wein oder Wasser auf, damit sie wohl anschwellen und lasse sie sieden. Dann zerstoße man sie, aber so, dass die Kerne nicht brechen, und seihe sie durch ein Sieb. Man gebe eine Schnitte feines Brot und Honig dazu und lasse es ziehen. Dann gieße Wein oder Wasser zu dem Mus und trockene gestoßene Kräuter (Gewürze). So kann man auch Kirschenmus oder Schlehenmus machen.
Nachkochen und Erfahrungsbericht
Dieses Mal also eine „kluge Speise von Pflaumen“. „Klug“ bedeutet hier wohl im heutigen Sinne „raffiniert“. Aber es ist eigentlich eine recht einfache Pflaumensoße. Leider sind die benutzten Gewürze nicht spezifiziert, da diese hier wohl den „klugen“ Unterschied machen können.
Aber nun zum Rezept: Es werden Kriechen-Pflaumen verwendet. Dies sind relativ kleine (unter 3 cm lange), blaue Pflaumen Sie sind süß, bringen aber auch eine herbe Gerbsäure-Note mit. Sie sind eher in Süddeutschland und Österreich verbreitet und werden heute selten als Obst verwendet. Obstbrand wird jedoch noch davon hergestellt. Daher sind diese schwer frisch zu bekommen. Als Alternative bieten sich aber Zwetschgen an, da diese den Kriechen relativ ähnlich sind.
Welche Pflaumenart man auch verwendet, diese werden mit Wasser bedeckt gekocht und durch ein Sieb gedrückt, so dass man den reinen Saft erhält. Typisch mittelalterlich wird dieser dann mit Brot angedickt. Dies war quasi das Standard-Verdickungsmittel – und eine gute Möglichkeit trockenes Brot weiterzuverwenden. Als Süßungsmittel wird hier Honig verwendet.

Zur Vollendung wird dann je nach Belieben etwas mit Wasser oder Wein verdünnt und gewürzt. Es wäre schön, wenn diese genauer beschrieben worden wären. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Zimt, Ingwerpulver oder Nelken hier gebräuchlich waren. Vielleicht auch Pfeffer oder Muskat. Alle diese Gewürze kommen im Buch von Guter Speise vor.
Dies ergibt eine leckere süß-saure Pflaumensoße, die mit entsprechenden Gewürzen auch recht markant sein kann. Ich kann mir aber nicht so recht vorstellen, dass dies alleine gegessen wurde, da es westlich besser in Kombination mit anderen Speisen funktionieren würde, auch da diese Soße komplett fettfrei ist. Gut würde sie bestimmt mit Caleus funktionieren. Vielleicht auch Col ris oder Mandelkäse. Als erstes werde ich es aber mit Griechischem Reis testen.

Zutaten
Methode
- Die Pflaumen in einen Topf geben und gerade so mit Wasser bedecken. Aufkochen und ohne Deckel etwa 20 Minuten köcheln lassen.
- Ein Sieb in eine Schüssel stellen und die Pflaumen hineinschütten. Die Pflaumen mit einem Löffel oder einer Kelle durch das Sieb ausdrücken.
- Den Pflaumensaft zurück in den Topf schüttem, das altbackene Brot hineinbröseln und Honig zugeben. Wieder aufkochen und ein paar Minuten köcheln lassen.
- Wenn gewünscht mit dem Wein (oder Wasser) verdünnen und weiter etwas köcheln lassen. Gewürze zugeben und abschmecken.


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