Original Rezept
Haselhuenre von Friesental mache also. man sol nemen reynevan vnd peterlin vnd salbei vnder einander vnd ein wenic brotes geriben dar zvo vnd wuertze vnd eier. vnd ribe daz mit wine vnd suede daz wol vnder einander vnd gibz hin.
Übersetzung
Mache auch Haselhühner von Friesental. Man nehme Rainfarn (Vorsicht toxisch), Petersilie und Salbei und vermische dies. Und gebe ein wenig geriebenes Brot dazu, Gewürze und Eier. Und man zerreibe dies mit Wein. Koche es gut zusammen und serviere es.
Nachkochen und Erfahrungsbericht
Dieses kurze Rezept hat es in sich gehabt! Es ist das einzige Rezept in dem Rainfarn explizit genannt wird. Dabei handelt es sich um eine gelb blühende krautige Pflanze, die in den gemäßigten Regionen Eurasiens vorkommt und in Mitteleuropa häufig ist. Die Pflanze fand und findet auch heute noch Verwendung als Gewürz und Färbepflanze. Besonders interessant im Zusammenhang mit diesem Rezept ist aber die Verwendung als Heilkraut. So hat Hildegard von Bingen (1098–1179) in ihrem Buch Physica eine dünne Suppe, in der Rainfarn gekocht wird als Heilmittel bei Schwere und Drücken im Magen nach „übler Speise“ empfohlen. Und schon im Capitulare Karls des Großen (ca. 747-814) wurde Rainfarn bei Wurmerkrankungen eingesetzt. Allerdings sind Mengen über einem Gramm Rainfarn bereits toxisch und deshalb habe ich es nicht im Rezept verwendet. Der Geschmack wird als stark bitter, aromatisch und an Kampfer und Minze erinnernd beschrieben. Als Alternative habe ich deshalb etwas Hopfen verwendet, den ich vom Bierbrauen übrig hatte.

Es scheint also, dass dieses Gericht eine gewisse medizinische Bedeutung hatte. Dazu passt auch, dass im Mittelalter angenommen wurde, dass man von Fisch Würmer bekommt. Die genannten Zutaten sind alle fastentauglich, Daher liegt es nahe, dass diese „Haselhühner“ an Fastentagen zusammen mit Fischgerichten gereicht wurden. Möglicherweise als Vorbeugung oder auch direkt als Heilmittel der angenommenen Nebeneffekte.
Der Name
Das bringt uns dann zur nächsten Unbekannten: Warum wurde dieses Gericht „Haselhühner von Friesental“ genannt? Friesental könnte Friesland sein oder einen anderen Ort bezeichnen. Aber warum „Haselhühner“? Zum einen ist da der offensichtliche Zusammenhang von Hühnern und Eier. Zum anderen, und angenommen, der Name bezeichnet heute noch das gleiche Tier, könnte der Zusammenhang mit etwas Fantasie im Aussehen liegen. Die gehackten Kräuter im gestockten Ei erinnern ein wenig an das gesprenkelte Gefieder der kleinen Vögel. Aber da muss man wohl im Spekulativen bleiben. Falls jemand mehr weiß, würde mich das sehr interessieren.
Nachkochen
Das Gericht selbst ist sehr einfach zuzubereiten. Kräuter mit Semmelbröseln und Wein zermörsern. Dann mit Eiern mischen und dämpfen bis es stockt. Neben den Kräutern werden auch unspezifische Gewürze genannt. Deshalb habe ich etwas Salz und Pfeffer zugegeben. Als Rainfarn alternative habe ich, wie oben erwähnt, Hopfen verwendet, da dieser anscheinend ein ähnliches Geschmacksprofil aufweist.

Im Originalrezept wird nur „siede es wohl“ gesagt. Da die Zubereitung in Tongefäßen im Mittelalter sehr häufig war, habe ich als relativ ähnliche Methode, die Masse in einer Tasse gedämpft.

Das Ergebnis war recht seltsam. Es schmeckt wohl etwas „medizinisch“. Salbei und etwas weniger die Petersilie waren der dominierende Geschmack. Auch der Wein war deutlich zu schmecken und wollte nicht so recht zu den Eiern passen. Ich denke die Verwendung von Hopfen statt Rainfarn war eine gute Alternative, um eine bittere Note zu erhalten. Vielleicht könnte auch grüner Tee funktionieren. Als kulinarisches Erlebnis würde ich das ganze aber nicht bezeichnen. Alles in Allem, aber dennoch ein sehr interessantes Experiment das mir neben der ungewöhnlichen Geschmackkombination auch einen Einblick in die Verwendung von Heilkräutern in Gerichten verschafft hat.

Zutaten
Method
- Petersilie, Salbei, Semmelbrösel, Pfeffer, Wein und Hopfengranulat im Mörser grob zermahlen.
- Die Eier in einer Tasse mit dem Salz aufschlagen und die Kräutermasse dazugeben.
- Die Tasse mit Alufolie gut verschließen und für etwa 30 Minuten dämpfen oder bis die Masse gestockt ist.
- Die Masse mit einem Messer von der Wand lösen und auf einen Teller stürzen.


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